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11.4. Goldstein-Filmporträt im Audimax

Aktualisiert (23. April 2010)

Erinnerung an Kurt Julius Goldstein
Parkbenennung und Filmvorführung am 11. April

 

Kurt Julius Goldstein. Jude und Kommunist, Interbrigadist im spanischen Bürgerkrieg und Überlebender von Auschwitz und Buchenwald, Journalist und Rundfunkintendant in der DDR und bis zu seinem Tode am 24. September 2007 aktiver Antifaschist.

Um seiner zu erinnern, wird der neu errichtete Park am U-Bahnhof Hellersdorf nach Goldstein benannt und am 11. April um 11 Uhr feierlich eröffnet. Anschließend wird ab 13 Uhr nach einer kurzen Einführung von Hans Coppi der Film Vorwärts und nicht vergessen. Kurt Julius Goldstein. Ein Porträt. im Audimax der Alice-Salomon-Hochschule gezeigt.

Parkbenennung // 11 Uhr // U-Bahnhof Hellersdorf
Filmvorführung // 13 Uhr // Audimax der ASHB

 

 

Zur Einweihung des Kurt-Julius-Goldstein-Parks
Vorveröffentlichung eines Artikels aus der nächsten Abuje zur Einweihung des Kurt-Julius-Goldstein-Parks

 

Unweit des Peter-Weiss-Platzes wird am 11. April der neue Park am U-Bahnhof Hellersdorf eingeweiht und nach Kurt Julius Goldstein benannt. Beide waren Kommunisten jüdischer Herkunft, doch ihre Biographien und ihr Wirken sind bis auf die bürgerliche Herkunft und die Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland so verschieden wie der formal gestaltete Platz und der landschaftliche Park es sind. Immerhin entschied sich Weiss' Alter Ego in seiner „Wunschbiographie“ „Die Ästhetik des Widerstands“ wie Goldstein dafür, in den Reihen der Antifaschistischen Einheitsfront gegen die faschistischen Putschisten in Spanien zu kämpfen. Doch beim genaueren Hinschauen finden sich weitere Punkte, die die Beiden wegen ihres kommunistischen Bewusstseins und ihres Stigmas als Juden wenn nicht verband, so doch einander streifen lässt.

Doch der Reihe nach. Kurt Goldstein wurde 1914 in Westfalen geboren und wuchs dort auf. Als Jugendlicher organisierte er sich in sozialistischen Jugendverbänden und trat mit Sechzehn der KPD bei. Wegen seiner politischen Überzeugung flog er bald von der Schule. Kurz nach der Machtübergabe an die NSDAP 1933 verließ er Deutschland und tauchte in Luxemburg und Frankreich unter, wo er sich als Landarbeiter auf die Emigration nach Palästina vorbereitete. Dort arbeitete er für ein knappes Jahr als Bauarbeiter in Haifa. Als Franco in Spanien versuchte durch einen Putsch die Macht zu übernehmen, schloss Goldstein sich 1936 den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg an und übernahm als Offizier Verantwortung. Nach deren Niederlage 1939 verbrachte er einige Jahre in französischen Internierungslagern, von wo aus er 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Über zwanzig Jahre später verarbeitete Weiss das Grauen dort in seinem Drama „Die Ermittlung“ als Reflektion des „Auschwitz-Prozess“. Goldstein organisierte im Nebenlager Jawischowitz - einer Kohlegrube - als Kapo weiter den Widerstand, überlebte das Lager bis zur Räumung im Januar 1945 und den folgenden Todesmarsch in das Konzentrationslager Buchenwald. Am 11. April vor 65 Jahren leistete er dort nach der Selbstbefreiung mit seinen Genossen den Schwur von Buchenwald.

Die ersten Jahre nach dem Krieg arbeitete Goldstein für die Partei und deren Jugendorganisation in verschiedenen deutschen Orten, siedelte in die DDR über und arbeitete dort im Zentralkommitee der SED und leitend für den staatlichen Rundfunk.

Goldstein war Mitglied verschiedener Überlebenden- und Veteranenvereinigungen, das „geläuterte Deutschland“ ließ ihm allerhand Ehrungen zuteil werden. Unermüdlich war sein Einsatz, gerade mit jungen Menschen über seine Erfahrungen zu reden, nichts vergessen zu lassen.

Seine Klage gegen die Regierung der USA im Jahr 2004, da diese es versäumt hatten die Bahngleise nach Auschwitz zu bombardieren, machte ihn als Alibi für offene Antisemiten und andere Reaktionäre attraktiv. Zuletzt sorgte er für Aufsehen als er sich im Alter von 92 Jahren mit teils unsäglichen Vergleichen zur israelischen Außenpolitik äußerte. Ihm das vorzuhalten, wäre müßig gewesen. Goldsteins Utopia lag nicht in Israel sondern in der DDR. Doch welche Schrammen, Risse und Brüche die Realität der Utopie hier wie dort anleidet, welche Kraft und dialektische Vernunft es erfordert, sie und sich selbst zu behaupten und weiter zu entwickeln, zeigt Goldsteins Leben und ist der Faden, der sich durch Peter Weiss' eingangs erwähnten Roman zieht.

Im Herbst 2007 ging Kurt, der lange in Mahlsdorf und zuletzt in Biesdorf lebte, von uns. Ihm eine moralische Kategorie wie die des Helden oder Vorbilds zu zu schreiben, sei jedem selbst beschieden. Die Erinnerung an die Abscheulichkeit des Nationalsozialismus wie an den Kampf für eine menschliche Utopie nicht vergessen zu lassen, wäre jedoch in seinem Sinne gewesen. Doch auch hier stößt die Praxis auf erste Hürden. Nicht nur, dass der Name für einen Park etwas sperrig ist und in voller Länge wohl selten ausgesprochen werden wird. Der Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung zur Namensgebung erfolgte, als der Park im Wesentlichen bereits fertig gestellt war. Somit findet sich auch im Entwurf kein Anhaltspunkt für den Namenspatronen. Vielleicht wäre ein Hain spanischer Pinien ja ein Anfang.

 

Sonntag, 11. April

11 Uhr: Einweihung des Kurt-Julius-Goldstein-Parks und 65. Jahrestag der Selbstbefreiung der Gefangenen im KZ Buchenwald am U-Bahnhof Hellersdorf

13 Uhr: "Vorwärts und nicht vergessen." Kurt Julius Goldstein. Ein Porträt." (Film von Ingrid Strobl, 1994) im Audimax der Alice-Salomon-Hochschule