Aktuelles

Diskussionen über Gedicht „avenidas“

Es gibt nun eine offizielle Stellungnahme der Jury des Alice Salomon Poetik Preises zu unserem Anliegen der Entfernung und Ersetzung des Gedichts. Die Jury argumentiert mit dem Grundrecht auf Kunstfreiheit und bezeichnet die Forderung nach einer Entfernung als Diskriminierung des Autors und der Kunst. Zitat:

„[...] Wir empfehlen den Entscheidungsträgern der Hochschule, von diesem Vorhaben (Anmerkung: der Gedichtsersetzung) Abstand zu nehmen, um Schaden von der Hochschule, dem Andenken ihrer Namensgeberin, dem Poetikpreis und dem Künstler Eugen Gomringer abzuwenden. Den Eindruck, das Gedicht vermittele eine sexistische Perspektive, in dieser Weise öffentlich zu machen, stellt nach unserer festen Überzeugung selbst eine Diskriminierung des Autors und der Kunst dar. Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut demokratischer Gemeinwesen, das durch dergleichen Beschränkungen nicht infrage gestellt werden darf.

[…]

Die Vernichtung eines Kunstwerks im öffentlichen Raum, noch dazu aus unserem Erachtens dogmatischen Gründen, würde an dunkelste Zeiten der jüngeren deutschen Geschichte erinnern, die gerade auch Alice Salomon auf bittere Weise in diesem Land erfahren musste.“

Den Bezug auf die NS-Zeit finden wir völlig überzogen und skandalös! Damit wird versucht unsere inhaltliche Kritik an dem Gedicht und auch unsere Kritik an fehlender Mitbestimmung als dogmatisch und ja schon faschistisch abzustempeln. Das ist eine bekannte Strategie um feministische Kritik zu deligitimieren indem sie mit der Forderung nach Zensur gleichgesetzt wird. Dabei wird das Verständnis von Diskriminierung und Unterdrückung verdreht.

Außerdem geht es uns nicht um ein Verbot des Gedichts und der Kunst des Autors. Es geht um die Gestaltung öffentlicher Räume und wer darüber entscheiden darf was an der Wand unserer Hochschule hängt. Wir wollen Partizipationsmöglichtkeiten und versuchen diese, über die Hochschulgremien durchzusetzen - demokratischer geht es also eigentlich gar nicht.

Es geht auch darum, welche Argumente von wem bei der Bewertung und Auswahl von Kunst zählen.Diese Fragen sind politische Fragen und sie können nicht allein mit dem Verweis auf die Freiheit der Kunst aus der Welt geschafft werden.