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Stellungnahme des AStA zur aktuellen Debatte um die Neugestaltung der Südfassade der Alice Salomon Hochschule

Eigentlich wollten wir gar nichts mehr sagen. Eigentlich wollten wir uns mit einer Teetasse unter die Bettdecke setzen und halb genervt, halb amüsiert den Kackesturm vorbeiziehen lassen. Doch irgendwann war der Tee kalt und immer noch kein schönes Wetter in Sicht. Irgendwann ist die Post bis unter unsere Bettdecke gekrochen und irgendwann sind wir sehr wütend geworden – und wir haben beschlossen, doch etwas zu sagen. Nicht um uns zu rechtfertigen. Sondern um aufzuzeigen, dass hier einiges schief läuft und so manches verdreht wird.

Angenommen, ihr alle wohnt in einem Mietshaus. Es gehört euch nicht, aber irgendwie seid ihr doch ständig da und eigentlich ist es vor allem dafür da, dass Leute wie ihr darin wohnen könnt. Ihr habt eine gute Nachbarschaft: ihr tauscht euch miteinander aus, helft euch gegenseitig weiter, freundet euch miteinander an. Ihr fühlt euch wohl. Klar, manchmal streitet ihr euch auch. Aber wenn mehrere Menschen sich einen Raum teilen, gibt es immer mal Konflikte, oder?
Angenommen ihr wohnt also in diesem Mietshaus und auf der einen Fassade dieses Mietshauses steht ein Gedicht. Es hängt da schon eine ganze Weile. Ihr wisst nicht so recht, warum es da eigentlich hängt und wer es da hingeschrieben hat, aber irgendwann denkt ihr euch: Hey, wieso fragen wir nicht mal nach? - Und wieso schlagen wir nicht mal vor, was Neues da hinzuschreiben?
Denn auch wenn ihr euch nicht immer einig seid, so ganz cool finden viele von euch das Gedicht eigentlich nicht. Ihr wisst nicht genau, wie der Dichter es gemeint hat, aber irgendwie gibt es euch ein komisches Bauchgefühl. Und ein komisches Bauchgefühl im eigenen Haus – das ist doch nicht schön.
Also schreibt ihr der Hausverwaltung und schlagt ihr vor, dass die Wand doch mal neu gestrichen werden könnte – schließlich ist es doch viel netter, wenn ihr aktuellen Mieter*innen über eure Wand selber entscheiden könnt. Die Hausverwaltung ist leicht wehmütig, stimmt aber zu und so startet ihr eine hausinterne Ausschreibung – und auf einmal steht die Presse vor der Tür, klopft an eure Wohnungen, das Fernsehen rennt durch den Vorgarten und eure Briefkästen quellen über mit Post von Leuten aus anderen Städten und anderen Häusern, die deklarieren, dass ihr die Kunstfreiheit gefährdet und diese neu gestrichene Wand eigentlich nur der Anfang der kommenden Bücherverbrennung sein wird. Das klingt absurd, oder? Und doch ist es nicht an den Haaren herbeigezogen, denn in ungefähr der Situation befinden wir uns gerade.

Was passiert ist, was wir gesagt und was wir nicht gesagt haben
Wir, das sind die Verfasserinnen des offenen Briefes, der gerade eine motivierte Runde durch die Medienlandschaft dreht. In diesem Brief ging es um das Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer, das seit sechs Jahren an der Südfassade unserer Hochschule, die Alice Salomon Hochschule in Berlin, steht. Und eigentlich haben wir nichts anderes gemacht, als oben beispielhaft erklärt: Wir haben der Hochschulleitung geschrieben und ihr gesagt, dass wir uns mit dem Gedicht unwohl
fühlen – und dass wir gerne wissen wollen, warum es eigentlich da hängt und ob es nicht diskutiert werden könnte, an die Wand mal was Neues zu schreiben. Der AStA, das Frauen*büro und rund 50 andere Studierende und Hochschulangehörige fanden das eine gute Idee und haben mitunterschrieben.
Die Hochschulleitung hat uns gebeten, das Thema in den Akademischen Senat zu bringen und nach ein paar Gremiensitzungen und einer hochschulinternen Diskussionsveranstaltung wurde beschlossen, die Wand im kommenden Frühjahr neuzustreichen (was sowieso notwendig war) und in diesem Zusammenhang etwas Neues drauf zu pinseln.
Eigentlich nichts Ungewöhnliches – und doch scheint es einige Menschen ziemlich auf die Palme zubringen. ‚Warum?‘ fragen wir uns an dieser Stelle und können es uns nur durch eins erklären: Wir reden über unangenehme Erfahrungen, die wir gemacht haben, genauer gesagt, über sexuelle Belästigung und patriarchale Strukturen. Das Wort Sexismus fällt in diesem Brief kein einziges Mal und dementsprechend werfen wir es Eugen Gomringer auch nicht vor. Und dennoch ist das nicht aus der Luft gegriffen – auch ohne das Wort Sexismus zu erwähnen, könnte unser Brief wie folgt zusammengefasst werden:
Wir sagen, dass Sexismus scheiße ist (okay nein, das sagen wir nicht explizit, aber das Rad muss ja auch nicht immer neu erfunden werden) und wir gehen davon aus, dass wir als Frauen* uns damit ganz gut auskennen – schließlich sind wir ja diejenigen, die ihn erleben. Wir sagen aber vor allem explizit, dass uns das Gedicht unangenehm an bestimmte Situationen erinnert – Situationen, in denen wir angegafft, objektiviert und sexualisiert belästigt wurden.
Wir sagen nicht, dass es Ziel des Gedichts war, das in uns auszulösen. Wir sagen nicht, dass Eugen Gomringer ein Sexist ist und dass er wollte, dass wir uns so fühlen, wenn wir das Gedicht lesen.
Wir sagen nicht, dass dieses Gedicht Schuld an unseren sexistischen Erfahrungen ist. Wir haben uns auch nicht wütend schreiend auf den Alice-Salomon-Platz gestellt und „vernichtet dieses Kunstwerk!“ gebrüllt. Wir haben einfach nur gesagt: „Das hier ist auch unser Haus, und uns gefällt das Gedicht nicht. Können wir nicht mal umdekorieren?“
Und die Hochschulgremien fanden das in der Mehrheit eine gute Idee.

Zum Nazivorwurf und zum Rassismus in der Debatte
Weil wir besagte Wand neu streichen wollen, haben uns diverse Menschen Faschismus vorgeworfen. Unsere Bitte um Neugestaltung der Wand würde an „dunkelste Zeiten deutscher Geschichte erinnern“. Wir würden die Kunst zensieren wollen, wir würden Meinungsideologie betreiben und die Wissenschaft und Redefreiheit mit Füßen treten.
Diesen Vorwurf finden wir absolut geschmacklos. In der NS-Zeit wurden Millionen Menschen verfolgt und ermordet und alles, was nicht NS-Propaganda war, wurde als gefährdend eingestuft und verboten. Wir hingegen wollen weder Eugen Gomringer bestrafen, noch sein Werk verbieten, wir stellen noch nicht mal seinen Poetikpreis infrage. Wir wollen eine einfache Wand neu streichen und haben diese Entscheidung in einem langen Prozess durch demokratisch gewählte Gremien
erkämpft. Das hat nichts mit Zensur zu tun, das ist gelebte Demokratie. Das ist zehnmal demokratischer, als im Alleingang ein Gedicht an eine Wand zu malen und hinterher zu schreien: „Ihr müsst das gut finden! Das ist Kunst! Sonst versteht ihr das nur nicht!“. Uns Faschismus vorzuwerfen ist eine geschichtsrevisionistische Verharmlosung tatsächlich geschehener Verbrechen.
Wir sind außerdem erschrocken darüber, dass ein demokratischer Hochschulprozess zusätzlich auch einen rassistischen Shitstorm auslösen kann. Obwohl wir an keiner Stelle Bezug auf‚ den Islam‘ genommen haben, wird der AStA überhäuft mit Mails anti-muslimischen Inhalts und sogar der öffentlich-rechtliche Sender deutschlandfunk steigt auf dieses Narrativ ein. Wir positionieren uns ausnahmslos gegen jegliche Formen von Diskriminierung und finden diese Reaktion ein
erschreckendes Zeichen dafür, dass rechte Argumentationsweisen offensichtlich immer weiter in die gesellschaftliche Mitte vorrücken.

Von Deutungen und Definitionen
Kunst ist Interpretationssache. Das ist ja das Schöne daran: In verschiedenen Menschen kann sie verschiedene Saiten zum klingen bringen und was für manche banale Stümperei ist, wird für andere zur Herzensangelegenheit. Kunst war immer umstritten. Es gibt kein Gremium das entscheidet: das ist Kunst und das ist keine. Kunst findet da einen Platz, wo Menschen ihn ihr einräumen wollen.
Wir haben keine Lust mehr, Gomringers Gedicht an der Südfassade zu sehen. Kunst war immer Geschmackssache und diese trifft nicht unseren Geschmack. Und das ist doch auch okay, oder? Es muss ja nicht immer allen alles gefallen.
Wir finden es absolut vermessen, das jetzt Menschen ankommen und meinten, wir hätten einfach kein Kunstverständnis und sie fänden das Gedicht toll und deswegen muss es unbedingt dastehen bleiben, alles andere wäre total fatal (also eigentlich schon wieder voll faschistisch). Liebe Leute, schreibt euch dieses Gedicht sehr gerne zuhause über euer Bett und erfreut euch jeden Tag daran. Aber erzählt uns nicht, dass wir einfach nur keine Ahnung hätten und es nicht verstehen würden!
Wenn uns das Gedicht an unangenehme Momente erinnert, dann hat das eine Ursache und dann werdet ihr uns das auch nicht wegquatschen können. Das ist eine Negierung unserer Erfahrungen. Das bedeutet nichts anderes, als zu sagen: „Ich als Mann (denn die meisten, die jetzt groß rumschreien, sind männlich) finde das Gedicht voll gut und sehe keine Sexismusprobleme und deswegen darfst du das auch nicht, denn ich kenne mich ja viel besser aus. Ich verstehe diese Kunst richtig!“. Nein, so funktioniert das nicht! Und nein, du kennst dich nicht besser aus. Auch nicht, wenn du was mit Kunst oder so studiert hast.
Als Frauen* kennen wir uns mit Sexismus aus, weil wir ihn beinahe täglich selber erfahren. So was nennt sich ‚situiertes Wissen‘ und wir finden es wichtig, dass diese Art von Wissen anerkannt und beachtet wird – gerade im Kontext Sozialer Berufe.

Nein, nicht alle Frauen*
Und ja, es gibt auch Frauen*, die das Gedicht total super finden und gerne möchten, dass es dort bleibt. Das ist okay, das ist ihr gutes Recht. Frauen* sind unterschiedlich und auch wenn sie ähnliche Erfahrungen machen, machen sie nicht die gleichen – und sie ziehen vor allem unterschiedliche Schlüsse daraus. Voll schön, wenn es Frauen* gibt, die sich mit dem Gedicht wohlfühlen. Aber das heißt im Umkehrschluss nicht, dass sich alle anderen ihre Assoziationen mit
sexualisierter Objektivierung nur einbilden und diese keine Berechtigung haben. Wir sind nicht überempfindlich und nicht unnötig wütend. Gesellschaftliche Verhältnisse sind nach wie vor ungerecht und wenn wir diese Ungerechtigkeit wahrnehmen, dann ist das angemessen.

Zum Vorwurf der Diskriminierung Eugen Gomringers
Außerdem wurde uns vorgeworfen, wir würden durch den Wunsch nach Ersetzung des avenidas-Gedichts den Dichter Eugen Gomringer diskriminieren. Nein, machen wir nicht. Aufgrund welches Merkmals würden wir ihn denn bitte diskriminieren? Diskriminierung aufgrund eines nichtgemochten Gedichts?
So funktioniert das nicht mit der Diskriminierung. Das ist einfach unsere Meinung und darauf haben wir ein gutes Recht. Die muss Eugen Gomringer und anderen Menschen nicht gefallen – das wiederum ist dann deren gutes Recht.
Herr Gomringer, wir versichern Ihnen an dieser Stelle ausdrücklich, dass wir mit Ihnen kein Problem haben. Wir kennen Sie ja auch gar nicht. Wir fühlen uns nicht von Ihnen persönlich angegriffen und fänden es sehr schön, wenn das umgekehrt auch möglich wäre. Wir mögen einfach nur eines Ihrer Gedichte nicht. Das ist vielleicht schade für sie, aber als Künstler kennen Sie sich mit diesen Kontroversen ja sicherlich aus. Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Freude mit Ihrem Poetikpreis. Wirklich.
Und damit haben wir all die Dinge gesagt, die wir in dieser Diskussion wichtig finden, um unsere Perspektive nicht völlig untergehen zu lassen. Wir wünschen, dass es mit der Südfassade konstruktiv weitergeht, dass Menschen weiterhin Hochschulen auf die Finger schauen, dass weiterhin über Kunst diskutiert und Sexismus thematisiert wird. Aber am meisten wünschen wir uns, dass das in Form einer Debatte passieren kann und nicht gleich in einen Streit mit Totschlagargumenten ausartet. Denn wie Margarete Stokowski in ihrer Spiegel-Kolumne geschrieben habt: Dann kann man auch besser gleich schlafen gehen. Ist gesünder.

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Kein Naziaufmarsch in Hellersdorf! Solidarische Kieze schaffen!

Unter dem Motto "Deutsche Kieze schaffen" rufen Neonazis aus dem Spektrum der "Autonomen Nationalisten" zu einem Aufmarsch am 2. September durch Marzahn-Hellersdorf auf.
Seit Wochen mobilisieren die Neonazis im Internet und auf der Straße für den Aufmarsch, verbreiten rassistische Hetze und stilisieren sich als Retter der "deutschen Kieze", die es so jedoch nie gab. Sie versuchen schon lange mit massiver Propaganda ihre Symbole und Parolen im Straßenbild zu verankern, sei es mit Schmierereien in "Reichsfarben", Naziaufklebern oder gesprühten Parolen. Wir wollen die Nazihetze nicht zulassen und stellen unseren lauten entschlossenen Protest dagegen!
Die Situation in Marzahn-Hellersdorf ist seit 2013 geprägt von starken neonazistischen Gruppen. Im Schulterschluss mit einigen Anwohner*innen schufen sie ein Klima des Hasses gegen geflüchtete Menschen und gegen all jene, die für eine solidarische Gesellschaft einstehen. Militante Neonazis im Bezirk Marzahn-Hellersdorf haben ihre besten Zeiten hinter sich. Trotzdem bleibt viel zu tun. Rassistische Einstellungen gegen geflüchtete Menschen sind weit verbreitet und bieten weiterhin Anknüpfungspunkte für rechte Gruppen und Parteien.
Mit unserem Protest wollen wir aufzeigen, dass auch in Marzahn-Hellersdorf Platz für alle Menschen ist, ungeachtet ihrer Herkunft oder Religion. Was die Neonazis unter dem Label "deutsche Kieze" propagieren, steht für gewaltsamen Ausschluss all derer, die nicht in einen völkischen und nationalsozialistischen Gesellschaftsentwurf passen. Der Versuch der Nazis, mit militanten Aktionen geflüchtete Menschen und migrantische Gemeinschaften zu vertreiben, knüpft an Konzepte sogenannter "nationalbefreiter Zonen“ an. Damit verbreiten sie bereits seit den 1990er Jahren Angst und Gewalt.
Wir hingegen wollen ein solidarisches Zusammenleben, in dem alle Menschen gleiche Rechte genießen! Wir werden es nicht zulassen, dass Neonazis erneut ihre Hetze auf die Straße tragen!
Lasst uns gemeinsam gegen Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft einstehen, in der alle Menschen ohne Angst und mit gleichen Rechten leben können!

Kommt zur Kundgebung am Alice-Salomon-Platz (U-Bhf Hellersdorf) am 2. September um 13:00 Uhr!

• AStA an der Alice Salomon Hochschule
• Bündnis für Demokratie und Toleranz am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf,
• Partnerschaften für Demokratie Marzahn-Hellersdorf
• Polis* - Bezirkliche Koordinierungsstelle Demokratieentwicklung am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf
• „Ponte“ – Interkulturelle Orientierungs- und Nachbarschaftsvermittlung
• Arbeitskreis „Rechte Gewalt“ an der Alice Salomon Hochschule
• Antirassistische Registerstelle Alice Salomon Hochschule

"Eure Toleranz kotzt mich an!" [1]

Am Samstag fand in Marzahn die Spaceparade des Bündnisses für Demokratie und Toleranz statt. Im Aufruf hieß es: "Einsamkeit und Alltagsrassismus setzen wir Lust auf Menschlichkeit und Demokratie entgegen. Und zwar mit wummernden Bässen, bunten Ravern und Freude am Tanzen!"[2]. Wir als antifaschistisch Aktive im Bezirk begrüßten die Spaceparade und waren teilweise selbst vor Ort, um antifaschistische und antirassistische Gruppen bei der Demonstration zu unterstützen. Kurz bevor wir gehen mussten, erhielten wir die Nachricht, dass sich auch Neonazis auf der Spaceparade vergnügen und von den Veranstalter_innen toleriert werden - wir waren fassungslos. Weniger wegen der Sache, dass Neonazis auftauchen würden, sondern mehr, weil uns im Februar diesen Jahres die Veranstalter_innen bei der Pressekonferenz zusicherten, dass es diesbezüglich ein Konzept geben würde. Dass es sich bei dem Konzept um "Tolerantes Raven mit Nazis" handeln würden, hätten wir nicht gedacht.

Als zum Teil nicht-weiße Personen, fühlten wir uns in diesem Moment bedroht und schutzlos und von den Veranstalter_innen im Stich gelassen. Im Nachhinein kann es nur obskur erscheinen, ausgerechnet auf einer antirassistischen Demonstration Rassist_innen ausgesetzt zu sein. Deswegen halten wir es für notwendig nach dem vergangenen Samstag Stellung zu beziehen.

Während also am Samstag der Integrationsbeauftragte des Bezirks kein Problem mit Neonazis auf der Spaceparade hatte, spielten sich am Montag erneut hässliche Szenen vor der neu eingerichteten Geflüchtetenunterkunft in der Rudolf-Leonard-Straße ab. So kam es beim Einzug von Geflüchteten zu rassistisch motivierten Bedrohungen. Als neue Bewohner_innen der Unterkunft per Bus am Montag morgen ankamen, wurden sie von einer Gruppe von Neonazis mit Schildern („Refugees not welcome“) "empfangen". Die neuen Bewohner_innen wendeten sich daraufhin an die Mitarbeiter_innen des Trägers [3].Der Vorfall zeigt erneut wie sicher sich Neoazis im Bezirk immer noch fühlen.

Auch die immer wieder aufkommenden Diskussionen über den richtigen Umgang mit der AfD im Bezirk haben gezeigt, dass eine Auseinandersetzung mit den hetzerischen Einstellungen von Rechtspopulist_innen überfällig ist. Es reicht nicht, Gewaltfreiheit als Grundlage für gemeinsame Veranstaltungen zu nehmen, ohne dabei auf die gewaltvollen, rassistischen und menschenverachtenden Positionen von rechten Akteur_innen unterschiedlicher Couleur einzugehen.

Auch wenn ein AfD-Politiker auf einem Podium oder Neonazis auf der Spaceparade sich im konkreten Miteinander "friedlich" verhalten, ändert das nichts an ihren Weltanschauungen, mit denen sie direkt oder indirekt den gewaltvollen Ausschluss von Menschen aus der Gesellschaft fordern.

Angesichts der relativierenden Aussagen des Integrationsbeauftragten von Marzahn-Hellersdorf [4] fragen wir uns ernsthaft, was alles noch passieren muss, damit in Marzahn-Hellersdorf endlich konsequent Position gegen Nazis und Rassismus bezogen wird. Das ewige Gejammer im Bezirk, man werde unbegründet als rechter Problembezirk dargestellt (so auch im Aufruf zur Spaceparade [2]), erscheint angesichts dieser Haltung absurd. Anstatt einer solchen Selbstviktimisierung Vorschub zu leisten, sollten sich beteiligte zivilgesellschaftliche Akteur_innen fragen, wie es sein kann, dass ausgerechnet der Integrationsbeauftragte unverhohlen Neoazis bagatellisiert. Geht es darum das Image des Bezirks zu wahren oder sich auch selbstkritisch damit auseinanderzusetzen, warum Rassist_innen und Rechte sich in Marzahn-Hellersdorf so wohl fühlen können?

Gerade in diesen Zeiten, in denen der Rassismus immer stärker in die Mitte der Gesellschaft Einzug erhält, muss der Normalisierung von rechten Positionen entschieden entgegengetreten werden. Wir fordern, dass sich Akteur_innen im Bezirk in Zukunft klar von rechten Positionen und Personen abgrenzen und nicht einfach im Namen der Toleranz akzeptiert wird, wenn Neonazis sich auf Demos, Podimsdiskussionen, im Rathaus oder vor Geflüchtetenunterkünften aufhalten. Denn Toleranz bedeutet nicht Gleichgültigkeit!

[1] https://www.youtube.com/watch?v=kdEAn6gjTvY
[2] http://buendnis.demokratie-mh.de/
[3] http://berliner-register.de/chronik/marzahn-hellersdorf
[4] http://www.taz.de/!5426846/

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